
Zukunftssicherheit für die Vor-Ort-Apotheke entsteht durch sinnvolle digitale Tools, ein passgenau auf die Kundenbedürfnisse abgestimmtes Leistungsangebot, ein motiviertes Team und der Profilierung als lokaler Gesundheitsdienstleister. Mit dem Ausbau der pDL und der Erweiterung des Impfangebots positionieren sich Apotheken zunehmend als erste Anlaufstelle für Gesundheitsdienstleistungen. Dabei zählen Schutzimpfungen und weitere Präventionsangebote, z. B. Screenings oder Blutabnahmen, ebenso wie Telemedizin und Telepharmazie zu den wichtigsten Zukunftstrends der Branche.
Mit der Durchführung von Schutzimpfungen bieten Apotheken einen niederschwelligen, spontanen Zugang zu Impfleistungen - auch außerhalb ärztlicher Sprechzeiten. Das baut Barrieren ab, steigert die Impfquoten in Deutschland, entlastet Arztpraxen und stärkt die Rolle der Apotheke als Präventionsdienstleister.
Zudem eröffnen Schutzimpfungen ein zusätzliches, vergütetes Geschäftsfeld und senken die Abhängigkeit der Apotheke vom klassischen Rx- und OTC-Geschäft.
Für das pharmazeutische Personal der Apotheke bringt das Impfangebot Abwechslung in den Berufsalltag, denn es eröffnet eine neue Form des Kundenkontakts. Durch Schulungen und Weiterbildungen bauen die Mitarbeitenden zudem neue Kompetenzen auf. Das steigert ihre Motivation und stärkt ihr fachliches Selbstvertrauen.
Vor dem Einstieg in das Impfen wird im ersten Schritt geklärt, ob geeignete Räumlichkeiten vorhanden sind. Der separate Impfraum muss sauber und vom HV-Bereich getrennt sein und über eine entsprechende Ausstattung verfügen, u. a. Hände- und Flächendesinfektionsmittel, Einmalhandschuhe, Kanülen, Tupfer, Pflaster, spezielle Entsorgungsbehälter, Notfallausrüstung, Stempel für das Impfbuch und Aufklärungsblätter für die Patient:innen. Für den seltenen Fall eines anaphylaktischen Schocks muss ein schriftlicher Notfallplan griffbereit sein. Außerdem werden Patientendaten digital erfasst und dokumentiert – über einen eigenen PC im Impfraum.
Im nächsten Schritt wird geklärt, welche Mitarbeitende Interesse an der Durchführung von Impfungen und den entsprechenden Weiterbildungen haben. Denn um in der Apotheke impfen zu dürfen, benötigen sie eine Impfschulung sowie Kenntnisse in Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Impfreaktionen, z. B. bei anaphylaktischen Reaktionen.
Danach wird die Terminvergabe geklärt: online, vor Ort oder nach dem Prinzip „First come, first served“? Digitale Impfportale erleichtern dabei die Terminbuchung, die Datenerfassung, die Meldung an das RKI und die Abrechnung mit den Krankenkassen.
Die Durchführung von Impfungen und die dafür erforderlichen Räumlichkeiten müssen der zuständigen Behörde mindestens eine Woche vor Aufnahme der Impftätigkeit gemeldet werden.
Erforderlich ist zudem eine Betriebshaftpflichtversicherung, die auch mögliche Impfschäden abdeckt.
Die regelmäßige Reinigung des Impfraums und sämtlicher Flächen ist im ausgehängten Hygieneplan zu dokumentieren.
Arbeitsschutzmaßnahmen sind einzuhalten. Die impfenden Mitarbeitenden werden regelmäßig zu den entsprechenden Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen geschult.
Da Apotheken bisher nur Grippe- und Corona-Impfungen anbieten durften und diese Impfungen vornehmlich in den Herbst- und Wintermonaten stattfinden, empfiehlt es sich, den Impfraum jetzt nach dem Sommer für die kommende Impfsaison herzurichten. Dabei werden die Verfalldaten der benötigten Materialien, z. B. Kompressen, Pflaster und Kanülen, sowie von Notfallmedikamenten kontrolliert und bei Bedarf ausgetauscht. Zudem werden alle Dokumente aktualisiert. Equipment, das nichts mit dem Impfen zu tun hat und sich über den Sommer in dem Raum angesammelt hat, wird entfernt.
